Frauengefängnis in der Barnimstraße

Am 31. Mai 2015 wurde der Hörweg zum Gedenken an das Frauengefängnis Barnimstraße von Christoph Meyer chm eröffnet. Dieser Hörweg ist ein Denkmal, das eine andere sinnliche Wahrnehmung erfordert.

Blaue Markierungen auf der Straße weisen den Weg. Dann stehen die Besucher vor einer Verkehrsschule für Kinder. Sie bekommen Kopfhörer und werden, während sie in die Geschichte des Ortes abtauchen, Passanten.

Der Künstler entwarf sein Projekt „Hörweg durch ein Gefängnis für Frauen und 5 politische Systeme“ im Rahmen eines Künstlerischen Wettbewerbs, der 2007 vom Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain und dem Land Berlin ausgelobt wurde.

Das Frauengefängnis, 1864 eröffnet und 1976 abgerissen, war über insgesamt fünf Regime hinweg der Ort, an dem Frauen hauptsächlich wegen ihrer politischen Gesinnung in Haft saßen.

Geschichte

Im Frühjahr 1863 beginnen an der Barnimstraße/Ecke Weinstraße die Bauarbeiten für ein neues Schuldgefängnis. Am 30. Juni 1864 erfolgt die Übergabe. Verantwortlich für die Arbeiten sind die Architekten Albert Cremer und Johann Zimmermann.
Zu Beginn sind im Gefängnis hauptsächlich Männer inhaftiert, Frauen bilden nur einen kleinen Anteil der Insassen. Nach Abschaffung der Schuldhaft in Preußen im Jahr 1868 wird das Gefängnis in ein Frauengefängnis umgewidmet. Es dient als Untersuchungshaftanstalt und zur Unterbringung von Strafgefangenen, die insbesondere Kurzzeitstrafen verbüßen müssen.
Im Gefängnis gibt es ein Lazarett und eine Mutter-Kind-Station, da eine Schwangerschaft kein Hinderungsgrund für eine Inhaftierung ist. Frauen bringen hier ihre Kinder zur Welt und müssen sie nach dem Ende der Stillzeit zu Verwandten oder in Waisenhäuser geben.
Das Gefängnis wird bis 1912 ausschließlich von Männern geleitet. Erst in diesem Jahr erfolgt nach intensiven Diskussionen die Ernennung einer Frau zur Direktorin. Bis auf die Zeit des Nationalsozialismus bleibt es dabei.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier ein Schuldgefängnis erbaut, das nur einige Jahre später in ein Frauengefängnis umgewandelt wurde.
Hier saßen viele politisch Gefangene ein, während der Nazi-Diktatur wurden hier die Frauen inhaftiert, die anschließend in Plötzensee hingerichtet wurden.

Das Frauengefängnis Barnimstraße wurde 1974 gesprengt. Gegenüber den beiden Schulen an der Weinstraße erinnert eine kleine Gedenkanlage an Rosa Luxemburg, die wohl prominenteste Inhaftierte der „Barnimstraße“.

Eine digitale Ausstellung zum Frauengefängnis und den Inhaftierten habe ich in Zusammenarbeit mit Dorothea Strube 2007/2008 erarbeitet.